Zeitungshoroskope: Hilfreich oder Humbug?

Als ich begann, mich mit Astrologie auseinanderzusetzen, kannte ich auch nur die sogenannten Zeitungshoroskope. Diese fand man meistens in jeder Zeitschrift, häufig sogar in jeder Tageszeitung. Dort wurden die einzelnen Tierkreiszeichen mit sehr wenigen Worten und meist sehr sinnfälligen Anweisungen abgehandelt. Häufig las ich Ratschläge wie "Streiten Sie heute nicht. Das bringt Unglück." Wann hatte Streiten schon jemals Glück gebracht? Wenn Astrologie sich tatsächlich auf solche Formulierungen beschränkte, dann konnte da nicht viel dran sein, dachte ich mir damals. Aber beginnen wir von vorne.

Eigentlich ist bereits der Begriff "Zeitungshoroskop" falsch gewählt. Horoskop kommt aus dem Griechischen und bedeutet Stundenschau. Auf die Stunde oder den genauen Zeitpunkt kommt es aber bei den sogenannten Zeitungshoroskopen gar nicht an. Horoskop beschreibt, wie früher im meinem Blog erwähnt, die stylisierte Darstellung des Himmels zu einem bestimmten Zeitpunkt. 

Das sogenannte Zeitungshoroskop ist eigentlich eher eine angenäherte Prognose bezogen auf den ungefähren Stand der Sonne eines Menschen zum Zeitpunkt seiner Geburt. Klingt kompliziert? Stimmt! Darum benutzen wir ja so gerne den Begriff "Zeitungshoroskop". Der ist zwar falsch. Aber jeder weiß sofort, was gemeint ist: die kleinen Rubriken, in denen Astrologen - oder pfiffige Redakteure? - Lebensweisheiten von sich geben. Allerdings tue ich mit dieser Aussage einigen Astrologen unrecht, die sich wirklich Mühe geben, eine allgemeine Prognose für die einzelnen Tierkreiszeichen abzugeben, die so genau ist, wie es die Randbedingungen erlauben. 

Worauf beruhen eigentlich diese Prognosen? 

Man nutzt hier den Umstand aus, dass jedes Jahr zur selben Zeit sich die Sonne am (annähernd) gleichen Platz im Tierkreis befindet. So befindet sich die Sonne am 1. Januar jedes Jahres auf 10 Grad im Steinbock, am 21. März (Frühlingsanfang +- 1 Tag) auf 0 Grad Widder usw. 

Für seine Prognose analysiert nun der Astrologe, welche Planeten gerade z.B. die Position 10 Grad Steinbock beeinflussen. Dazu sieht er nach, wo welche Planeten stehen und ob sie gerade wichtige Aspekte zu dieser Position bilden. Und aus diesen Aspekten macht er dann seine Prognose.

Damit kommen wir zu einem ersten Problem. Der Astrologe kann nicht für jeden einzelnen Geburtstag eine Prognose machen. Das wäre zu aufwendig. Denn dann müsste der Astrologe für jede einzelne Sonnenposition die eben beschriebene Analyse machen. Daher müssen die Astrologen mehrere Sonnenpositionen zusammenfassen. Und dazu gibt es zwei Möglichkeiten.

Die schlechteste Methode ist es, komplette Tierkreiszeichen zusammenzufassen, z.B. das Tierkreiszeichen Steinbock. In diesem Zeichen steht die Sonne vom 22.12. bis zum 20.1. jedes Jahr. Wie bereits auch früher erwähnt, umfasst jedes Zeichen 30 Grad, somit auch der Steinbock. Und genau da liegt ein wichtiges Problem. 

Die Planeten Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto laufen nur sehr langsam durch den Tierkreis. Jupiter braucht im Schnitt etwa ein Jahr um ein Tierkreiszeichen zu durchlaufen, Saturn etwas zweieinhalb Jahre, Uranus ca. 7 Jahre, Neptun ca. 14 Jahre und Pluto im Schnitt sogar 21 Jahre pro Zeichen. 

Damit dürfte klar sein, dass Pluto, der sich seit 2008 im Zeichen Steinbock befindet und es erst im Jahr 2024 wieder verlassen wird, unmöglich gleichzeitig auf alle Steinböcke auswirken kann. Steinböcke, die am 22. Dezember geboren wurden, haben ihn bereits in den Jahren 2008 - 2009 gespürt, Steinböcke, die am 20. Januar geboren wurden, werden ihn erst in den Jahren 2023 - 2024 spüren. 

Solltest du also ein Zeitungshoroskop in die Finger bekommen, das nur die 12 Tierkreiszeichen berücksichtig und keine weiteren Unterteilungen unternimmt, lege es am besten gleich wieder weg.

Wie man Zeitungshoroskope genauer machen kann, erkläre ich in meinem nächsten Blogeintrag.